Chris­toph Müller-Gun­trum

In­ter­view mit Louisa Scheel, Sys­te­mi­sche Coa­chin

“Mit in­nerer Ruhe & Ba­lance leben und ar­beiten” — dieser Satz ist der erste, der einen auf der Web­site von Louisa Scheel ein­lädt. Die Seite ist klar und auf­ge­räumt — und sie ver­mit­telt das, wofür Louisas Ar­beit steht: Stille und Ver­stehen. Louisa Scheel ist sys­te­mi­sche Coa­chin und Paar­the­ra­peutin und dem Zen-Bud­dhismus zu­ge­wandt. Im le­sens­werten In­ter­view hat sie uns er­zählt, wie sie den Sinn des Le­bens de­fi­niert und wie wir in her­aus­for­dernden Zeiten, zum Bei­spiel bei un­ge­wollter Kin­der­lo­sig­keit oder auch wäh­rend einer Kin­der­wun­schreise, den­noch stabil im In­neren bleiben können.

Louisa, Du bist bisher viele ver­schie­dene, in­ter­es­sante Sta­tionen in Deinem Leben ge­gangen. Bitte be­schreibe Deinen per­sön­li­chen Weg von Deinem Job als Grün­derin einer Con­tent Mar­ke­ting Agentur hin zum Zen-Bud­dhismus.

Meine ersten be­ruf­li­chen Er­fah­rungen durfte ich nach dem BWL-Stu­dium in Sin­gapur und London in der Me­di­en­branche ma­chen. Das war span­nend. Ei­nige Jahre später zog es mich in meine Hei­mat­stadt Berlin zu­rück und ich habe eine Con­tent Mar­ke­ting Agentur ge­gründet. Meine Lei­den­schaft gilt dem Ge­schich­ten­er­zählen. Con­tent Mar­ke­ting ist Ge­schich­ten­er­zählen für Marken. Die Rolle der Un­ter­neh­merin hat mich be­geis­tert, war je­doch auch sehr an­spruchs­voll und zwang mich nach zwei­ein­halb Jahren in die Knie. Ich war ein­fach total er­schöpft. Die Zen Me­di­ta­tion lief mir über den Weg und ich spürte eine tiefe Sehn­sucht nach Ruhe und in­nerem Frieden. Ich folgte meinem in­neren Ruf und ging eine Woche ins Kloster im Allgäu, um dort in Stille vom Zen Meister die Grund­lagen der Zen Übung zu lernen. Seitdem sitze ich jeden morgen 25 Mi­nuten in Kraft und Stille und schaue, wie ich innen drin so bin und das lässt mich kraft­voll meine ei­genen Weg gehen.
Vor zwei Jahren machte mein Leben eine große Wen­dung. Die Agentur wurde an eine in­ter­na­tio­nale Agen­tur­gruppe ver­kauft und ich folgte meinem Her­zensweg. Einer Ar­beit, bei der die Ent­wick­lung des Men­schen im Zen­trum steht. Ich bil­dete mich weiter als Paar­the­ra­peutin und sys­te­mi­sche Coa­chin.

Du ar­bei­test auch mit Paaren und schreibst auf Deiner Web­site, dass Paar­the­rapie oft erst an­ge­nommen wird, wenn die Be­zie­hung schon am Ende zu sein scheint. Was sind hier Deine Er­fah­rungen, wieso ist das so?

Im Durch­schnitt dauert es sieben Jahre, bis sich ein Paar für die Paar­the­rapie ent­scheidet. Paare denken oft, sie können die Themen al­lein lösen und in den Köpfen ist es noch ver­breitet, wer sich Hilfe holt sei nicht stark oder schlau genug. Das ist na­tür­lich Blöd­sinn. Was Paar­the­rapie braucht, ist ein klein wenig Mut. Auf einmal hört man dort seinen Partner/in sagen, was man viel­leicht nicht hören möchte und das braucht Mut, sich dem zu stellen und daran ge­meinsam zu wachsen.

Was ich eben­falls häu­figer höre ist, dass Paare Sorge haben, dass die Paar­the­rapie zur Tren­nung führen könnte. Eine Tren­nung kann na­tür­lich eine Lö­sung des Pro­blems sein. Die Paar­the­rapie dient je­doch zu­al­ler­erst einmal dazu, Paare wieder mit­ein­ander ins Ge­spräch zu bringen und Ak­zep­tanz für die An­ders­ar­tig­keit des Part­ners her­zu­stellen. Den an­deren “so sein” lassen. Der Be­griff Paar-Coa­ching kommt üb­ri­gens ge­rade bei jün­geren Men­schen viel besser an. Was ist der Un­ter­schied? Das Coa­ching soll helfen, in eine sta­bile und glück­liche Be­zie­hung zu führen, wo­hin­gegen die The­rapie hilft, Krisen zu über­winden und emo­tio­nale Ver­let­zungen zu lösen.

Was be­deutet es deiner Mei­nung nach, glück­lich zu sein und ein er­fülltes Leben zu führen?

Ich be­schäf­tige mich be­reits seit meiner Ju­gend mit dem Glücks­be­griff. Erst über die letzten Jahre habe ich für mich ver­standen, was es be­deutet, ein glück­li­ches und er­fülltes Leben zu führen: Die Ein­zig­ar­tig­keit jeden Mo­ments und jeder Be­geg­nung zu er­kennen und diesen meine volle Auf­merk­sam­keit zu geben. 

Ich helfe meinen Einzel-Kli­enten in den Sit­zungen, das her­aus­zu­ar­beiten, was ihnen wichtig ist: “Was hat Wer­tig­keit in meinem Leben?” Und dann immer die große Frage: “WIE möchte ich leben?”

Das Leben ist nicht schön oder schlecht. Das Leben ist Leben und ich er­wähle das Leben mit allem, was es bringt. Jeden Tag von Neuem. Dann kann ich am Leben nur wachsen und nicht ver­zagen. Die Un­zu­frie­den­heit vieler Men­schen kommt von einer Rea­lität, die nicht ist, wie sie es sich vor­ge­stellt haben.
“Ver­än­de­rung ge­schieht, wenn man wird, wie man ist. Ver­än­de­rung ge­schieht nicht, wenn ich werden möchte, wie ich sein möchte.”

Louisa Scheel - Fertilly

Viele Paare wün­schen sich er­folglos ein Kind, was oft­mals eine rie­sige Be­las­tung für die Be­zie­hung dar­stellt. Eine Fa­milie zu gründen, ist ein Ideal, das — wenn es nicht klappt — also sehr un­glück­lich ma­chen kann. Denn oft­mals ist ein langer Lei­densweg damit ver­bunden. Wie ist deine Mei­nung zum Thema: Ist ein Kind not­wendig, um glück­lich zu sein?

Du hast recht, der Lei­densweg ist häufig lang und schwer und immer sehr in­di­vi­duell.

Der Ar­chetyp der Fa­milie ist sehr stark im kol­lek­tiven Un­ter­be­wusst­sein aus­ge­prägt. Ar­che­typen sind nach dem Psy­cho­logen Carl Jung Ur­bilder, die seit Ge­nera­tionen mit ähn­li­chen Emo­tionen und As­so­zia­tionen ver­knüpft sind. Kinder zu be­kommen be­deutet da­zu­zu­ge­hören und in­fol­ge­dessen also: nicht an­ders zu sein. Wir su­chen un­be­wusst alle nach Zu­ge­hö­rig­keit.

In den letzten Jahren sind auch immer mehr Mo­ve­ments auf­ge­kommen, die sich kri­tisch mit dem Kin­der­kriegen aus­ein­an­der­ge­setzt haben, wie “Re­g­ret­ting Mo­ther­hood”. Ich kenne auch viele Frauen, die gar nicht so einen starken Kin­der­wunsch haben, sich je­doch ge­sell­schaft­lich total ver­pflichtet fühlen, ein Kind zu be­kommen. Auch hier un­ter­stütze ich ihren in­di­vi­du­ellen Weg in Ein­zel­coa­chings, um diese große Le­bens­frage für sich zu klären.

 

Be­ginnt man eine Kin­der­wunsch­be­hand­lung, be­geben sich die meisten Men­schen auf un­be­kanntes Ter­rain. Die Me­dizin über­nimmt und diese Zeit kann emo­tional ganz schön her­aus­for­dernd sein. Wie schafft man es deiner Mei­nung nach, wäh­rend einer sol­chen Be­hand­lung den­noch in Ein­klang mit sich selbst zu bleiben? Also in sich zu ruhen, auch wenn es draußen stür­misch wird?

In der mo­dernen Ge­sell­schaft wollen Men­schen immer ganz schnell Ori­en­tie­rung, einen klaren Weg und ein Ziel. Beim Thema Kin­der­wunsch be­kommen wir leider keine so­for­tige Ori­en­tie­rung. Weder im Außen, noch im Innen. Es braucht Ver­trauen, diesen Weg zu gehen. Ver­trauen in das Leben selbst. In uns selbst. Selbst­liebe und Ak­zep­tanz sind der Schlüssel für einen guten Um­gang mit uns in un­si­cheren Zeiten. Die Zen-Me­di­ta­tion, als stille Me­di­ta­tion hilft in die ei­gene Mitte, Kraft und ins Ver­trauen zu kommen. Durch an­halten. Durch still sein. Zen bringt uns zu uns Selbst.

Als Paar­the­ra­peutin be­gleite ich Paare und Frauen durch die Be­hand­lungs­phasen und stehe un­ter­stüt­zend an ihrer Seite.

Was rätst du Men­schen mit un­er­fülltem Kin­der­wunsch? Was können sie in einer Zen-Me­di­ta­tion über sich lernen?

Frauen in dieser Si­tua­tion fühlen sich oft zu­neh­mend einsam und neigen mehr und mehr dazu, sich zu­rück­zu­ziehen.
Ich rate dazu, die wach­sende Iso­la­tion zu durch­bre­chen und so­wohl mit dem Partner im Ge­spräch zu bleiben als auch, sich mit an­deren Frauen in der glei­chen Si­tua­tion aus­zu­tau­schen. Wenn der Kin­der­wunsch so do­mi­nant wird, dass er das ganze Leben be­stimmt und das ver­zwei­felte Ge­fühl ent­steht, ohne Kind habe alles keinen Sinn, dann kann es sehr hilf­reich sein, sich einmal mit dem Partner oder auch al­leine mit fol­genden Fragen zu be­schäf­tigen: “Warum will ich/wollen wir ei­gent­lich ein Kind?” “Was be­deutet ein Kind für mein/unser Selbst­be­wusst­sein?” “Wie hat jeder von uns seine ei­gene Fa­milie er­lebt?” und “Wie könnte unser Leben ohne Kinder aus­sehen?” 

Die Zen Me­di­ta­tion kann helfen, über diese Fragen Klar­heit zu be­kommen und tief in sich hin­ein­zu­schauen. Ohne den Lärm von außen. Ganz mit uns selbst.

Wenn wir diesen un­be­kannten Raum auf der Me­di­ta­ti­ons­matte ge­gen­über von uns aus­halten, dann öffnet sich ein neuer Weg, den wir kraft­voll und mit Freude gehen können. Ein le­bens­be­ja­hender Weg. Auch wenn das Leben manchmal her­aus­for­dernd ist.

 

Oft­mals ha­dern ge­rade auch die Frauen, die nicht so ein­fach schwanger werden können, mit ihrem ei­genen Körper. Was kannst du ihnen mit­geben?

Sei lie­be­voll mit dir selbst, auch wenn es manchmal schwer er­scheint. Self Care Ri­tuale geben Halt. Dank­bar­keit zu äu­ßern für das, was wir haben, ist eine wun­der­bare Mög­lich­keit, unser Ge­hirn auf das Po­si­tive zu fo­kus­sieren und nicht auf den Mangel. Ich rate: Sich vor dem Schla­fen­gehen für das be­danken, was ich habe. Das hilft uns, eine le­bens­be­ja­hende Hal­tung zu ent­wi­ckeln — auch in schwie­rigen Zeiten.

Viktor Frankl sagte: „Wenn Leben über­haupt einen Sinn hat, muss auch Leiden einen Sinn haben. Es kommt nicht darauf an, was man leidet, son­dern wie man es auf sich nimmt.“

Über Louisa Scheel:

Louisa ist sys­te­mi­sche Coa­chin und Paar­the­ra­peutin in Berlin. Sie ar­beitet so­wohl mit Paaren, als auch Ein­zel­per­sonen.  Sie ist Grün­derin des Love Labs: Das Love Lab bietet Work­shops, Retreats und Coa­chings zu einer breiten Pa­lette von Themen rund um den Aufbau und die Pflege glück­li­cher Be­zie­hungen zu uns selbst und zu an­deren. Mehr unter: scheel-paartherapie.de

wie wir helfen

Über Fer­tilly

Wir bei Fer­tilly haben es uns zur Auf­gabe ge­macht, Paare (homo- und he­te­ro­se­xuell) und Sin­gles auf dem Weg zur Er­fül­lung ihres Kin­der­wun­sches zu be­gleiten. Dabei ist es uns wichtig Trans­pa­renz im Be­reich der An­ge­bote zum Thema Kin­der­wunsch zu schaffen, In­for­ma­tionen und Wissen zu den Themen Schwan­ger­schaft und Frucht­bar­keit zu ver­mit­teln und Dir und Euch dabei zu helfen, die am besten pas­sende Kin­der­wun­sch­klinik zu finden. Durch Ko­ope­ra­tionen mit erst­klas­sigen Kin­der­wun­sch­zen­tren in Deutsch­land und im Aus­land werden An­fragen über Fer­tilly be­vor­zugt be­han­delt. Somit um­gehen un­sere Pa­ti­en­tinnen und Pa­ti­enten die sonst meist langen War­te­zeiten und kommen schneller an ihr Ziel.

Du möch­test Dich weiter über Kin­der­wun­sch­zen­tren, Er­folgs­raten und Preise in­for­mieren, melde Dich gerne über diesen Fra­ge­bogen bei uns. Wir be­raten Dich kos­tenlos und un­ver­bind­lich.

Wie läuft die Be­ra­tung ab?

  • Be­ant­worte uns im On­line For­mular erste Fragen um einen Termin zu bu­chen. So können wir im Ge­spräch besser auf Deine Be­dürf­nisse ein­gehen.

  • Wir finden den besten An­sprech­partner für Deinen kon­kreten Fall. Plane für die Be­ra­tung 20 Mi­nuten Zeit ein.

  • Wir stellen Dir das für Dich pas­sende Kin­der­wun­sch­zen­trum aus un­serem Netz­werk vor, ver­ein­baren einen Termin und be­gleiten Dich bis zum er­füllten Kin­der­wunsch.

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